Eurogamer: Weg mit den Wertungen

Ein Spiel erscheint auf allen Konsolen oder ihr wollt darüber diskutieren, auf welcher es mehr Features hat oder besser aussieht. Hier geht's rund um GAMES und KONSOLEN!

Moderator: [RDC] Tooby

Eurogamer: Weg mit den Wertungen

Beitragvon Benutzer gelöscht » 10.02.2015 19:59

Keine Ahnung wie lange das her ist, aber schon vor X Jahren hatte ich mal darüber geschrieben, dass Wertung nix wert sind und eine Empfehlung viel mehr bringt. Wenn mich jemand fragt wie ich das Game XY finde, wird die Antwort niemals eine Zahl sein, sondern "cool" oder "nicht mein Ding" oder eben "kagge". Eurogamer sieht das nun scheinbar auch so, wobei Magazine auch noch Geld damit verdienen uns auch weniger gute Games schmackhaft zu machen. Diese Methode gibt den Magz mehr Spielraum und sie müssen sie nicht mehr der breiten Wertungmasse beugen.
Solch eine Wertungssystem setzt voraus, dass man den Menschen, der ein Game testet, auch kennt oder gut einschätzen kann. Man wird also auch mit dem neuen System nicht drumrum kommen einen Test komplett zu lesen und im Content Sachen zu finden die einen gut oder eben nicht gut gefallen. Handfeste Argumente sind immer die beste Grundlage für eine Bewertung.

Quelle: http://www.eurogamer.de/articles/2015-0 ... -wertungen

Das neue System

Auf dezn ersten Blick machen wir uns es einfach. Statt zehn Zahlen und der Null haben wir nun nur noch vier Einteilungen. Ganz unten am Boden des Fasses finden sich die Spiele, bei denen wir ganz klar Finger weg! sagen. Aus welchen Gründen auch immer, sei es technische Unwürde, spielerische Inkompetenz, derbste Langeweile oder alles in Kombination. Es ist bei diesen Dingern egal, ob es jetzt eine 3 oder 2 war: Das ist Mist, das solltet ihr nicht in die Hand nehmen, also Finger weg!

Dann kommt erst mal nicht so viel. Das ganze Spektrum, das folgt, ist eine Mischung aus "Öde!!!", "Für harte Fans vielleicht..." oder "nicht schlecht, ABER...". Mit anderen Worten: Spiele, bei denen eine Zahl allein nicht ausreicht. Bei denen man lesen muss, warum sie vielleicht für einen selbst doch was sein könnten, aber das eben unter Vorbehalt, und bei denen man sich der mal mehr, mal weniger gravierenden Fehler dringend bewusst sein sollte. Also, gar nichts heißt nicht, dass es keine Wertung gibt, sondern dass es ein schwieriger Fall in diesem großen qualitativen Mittelfeld ist.

Dann kommt die Empfehlung, was sich nach "gar nichts" mit einigem Abstand zur häufigsten neuen Einschätzung etablieren dürfte. Ganz einfach, weil es viele gute Spiele gibt, die einem großen Teil der Spieler Freude bereiten dürften. Die nicht perfekt sind, die ihre kleinen Macken haben, aber bei denen man so viel Gutes fand, dass der Tester am Ende des Tages offen und ehrlich sagen kann, dass das Spiel nach Berücksichtigung aller Tatsachen eine Empfehlung ist. Warum so genau? Lest den Test, nichts wird euch diese Bürde ersparen.

Dann gibt es schließlich ganz oben das goldene Krönchen auf dem großen Spielethron, die Titel, die herausragend sind. Wenn etwas herausragend ist, dann ist es nicht perfekt. Aber es ist entweder so verdammt durchtrieben genial gut, dass man es einfach spielen muss, oder es hat die Spielwelt, wie wir sie kennen, den nächsten Evolutionsschritt vollziehen lassen. Oder beides. Oder etwas ganz anderes, das so fantastisch ist, dass wir es uns jetzt gar nicht vorstellen können. Diese Spiele sind eindeutig herausragend.

Zu dieser Einschätzung, auch zu denen, die keine ausgeschriebene bekommen, gehört immer ein kurzer Minitext, eine Art Kleinfazit, das euch schon zum Start des Textes, zusammen mit der Einschätzung, einen Eindruck liefert, was euch im eigentlichen Text erwartet.

Warum? Weil es besser so ist. Für uns alle.

So, vier Wertungen - Finger weg!, gar nichts, Empfehlung, herausragend -, vorher waren es zehn oder elf, je nachdem ob man die Null mitzählt. Viel einfacher für uns jetzt, viel zu ungenau für euch. Oder?

Fragt euch stattdessen, ob es wirklich relevant ist, ob ein Spiel 5 oder 6 Punkte bekommt. In beiden Fällen wird es nur von einer ausgesuchten Gruppe gekauft , die eh vorher wusste, dass sie es haben möchte, weil es nun mal ihr Ding ist. Denn seien wir ehrlich: Ob 4, 5 oder 6, eine echte Empfehlung ist nichts davon und ihr würdet es in keinem Falle blind kaufen. Wenn ihr Interesse an dem Spiel habt, lest ihr den Text, könnt die Argumente abwägen und euch entscheiden, ob es etwas für euch sein könnte. Die Wertung im letzten Detail spielt ab dem Punkt des Entscheidungsprozesses keine echte Rolle mehr, denn wer sagt schon: "Hm, der schlüssige Text klingt, als wäre das was für mich, mit den Schwächen kann ich leben, aber die Wertung sind 5 Punkte, also kaufe ich es nicht"?

Wir können uns stattdessen auf die echte Trennlinie konzentrieren, die schon vorher nicht ganz einfach war, und an dieser werden wir als Tester nun gedanklich sehr viel mehr Zeit zubringen müssen, weil es plötzlich einen echten Unterschied macht. Die 7 war schon immer irgendwie eine Zwischenwertung. Nicht gut genug für höhere Weihen, zu gut für das untere Ende. Aber ist es jetzt wirklich eine Empfehlung? Ein schönes Beispiel wäre Alien Isolation. Ein in vielerlei Hinsicht großartiges Spiel, für manche das Spiel des letzten Jahres schlechthin. Aber es hat so viele Macken, Längen und Eigenheiten, die es Punkte kosten und die in einer traditionellen Wertung auch Berücksichtigung finden wollen. Bleibt also die Mittelwertung 7, die nichts Sinnvolles über das Spiel aussagt. Jetzt müssen wir uns entscheiden. Gar nichts heißt, dass die Schwächen zu heftig sind. Alien-Fans lesen, was Sache ist, der Rest geht mit Vorsicht an das Thema heran. Eine Empfehlung heißt, dass die Stärken nicht vernachlässigt werden sollten, von keinem. Dieses Spiel macht etwas so richtig, dass man es erleben sollte, und das trotz all seiner negativen Eigenschaften. In diesem Falle sagt das, was das Spiel bei uns nun ist, nämlich eine Empfehlung, weit mehr aus, als es eine dieser Zahlen kann. Dessen sind wir uns bewusst und es sind diese spannenden, schwierigen Spiele, über die wir nun länger nachdenken müssen.

Kann man also die alten Wertungen direkt umrechnen? In einem gewissen Rahmen ja. Was vorher eine 10 oder eine sehr enthusiastische 9 gewesen wäre, wird nun das Prädikat Herausragend erhalten. 8er oder "normale" 9er sind die Empfehlungen. Alles mit 3 oder drunter bekommt sein "Finger weg!". Aber es geht auch mehr um die Grenzbereiche, an denen es spannend wird, und die größere Tragweite, die eine Wertung in einem so kleinen Wertungsspektrum hat. Die 4er, 7er und 9er. Ist es wirklich schlecht oder hat es doch ein paar rettende Eigenschaften, die es wert sind, sich darüber zu informieren? Ist es irgendwie gut, aber keine Empfehlung oder eben doch? Ist es etwas Herausragendes oder doch "nur" etwas sehr Gutes und damit Empfehlenswertes?

Wir glauben, dass wir euch so besser genau die Informationen liefern können, die ihr braucht, um sinnvoll entscheiden zu können, ob wir denken, dass ein Spiel euer Geld wert ist oder ob ihr einfach in den Text müsst, um mehr zu erfahren, weil manche Wertungen einfach nichts Allgemeingültiges darüber aussagen können.

So viel zu diesen Überlegungen. Eine weitere wichtige sind die Spiele selbst und wie sie sich verändert haben. Als Spielwertungen erfunden wurden, gab es kein Online, kein Download, keine Patches. Nur ein Spektrum von "Müll in einer Pappschachtel" bis hin zu "Es hat alles für immer verändert, und das zum Besseren". Spiele waren fertig, egal ob sie es waren oder nicht. Sie waren im Vergleich zu den meisten heutigen Spielen oft schlichter in ihren Mechaniken und Konzepten - was keineswegs immer etwas Schlechtes sein musste - und damit auch leichter in einem Wertungsspektrum erfassbar. Grenzbereiche gab es auch dort, aber heute habt ihr innerhalb eines einzigen Spiels schon viele Grenzbereiche. Die Technik ist ein Traum, es spielt sich fantastisch, aber das ganze Konzept ist viel zu eigen und umständlich. Findet dafür mal eine Wertung. Tolles Solospiel, nur leider streikt sein komplett verbuggter Online-Multiplayer-Modus. Egal für den Einzelkämpfer, eine Katastrophe für den nächsten Typ Spieler. Das lässt sich nicht mit einer Note abdecken. Early Access ist das nächste Thema. Bis dahin war mein einfacher Spruch "Man kann es kaufen, also kann man es bewerten" von einer unumstößlichen Absolutheit. Diese ist nun erschüttert worden und diese Dinge zu bewerten, zu sagen, ob es eure Zeit wert ist, ist nun einfacher, denn wir müssen uns nicht mehr für eine Wertung entscheiden dafür, sondern ob das Spiel in seiner aktuellen Form eine Empfehlung ist. Oder eben auch nicht.
Benutzer gelöscht
 


Beitragvon Benutzer gelöscht » 12.02.2015 10:06

Ich hatte zu dem Text oben die Einleitung noch unterschlagen:

Machen wir es erst mal kurz und schmerzlos, das Wichtigste zuerst: Ab heute, hier und jetzt werdet ihr auf Eurogamer.de - und auch Eurogamer.net und anderen Seiten des Gamer Networks - keine der liebgewonnenen Wertungen von 0 bis 10 mehr sehen. Stattdessen gibt es nun diese Empfehlungen, sortiert von furchtbar bis göttlich in Bezug auf die Qualität eines Spiels.
Quelle Eurogamer
Benutzer gelöscht
 

Beitragvon [RDC] Tooby » 12.02.2015 16:55

Konsequent wäre es gewesen, wenn sie gänzlich auf Wertungen/Einstufungen verzichtet hätten. Ich meine: Das sind Journalisten. Es ist die Essenz ihres Jobs, mithilfe von Texten über ein Spiel zu berichten, den User zu einem Spiel zu raten oder eben davon abzuraten. Letztlich schauen die Leute doch sowieso wieder nur auf die Wertung und bashen sich die Gamerfrazzen ein.
Warum nicht einfach einen wirklich guten Text verfassen? Die Zeitschriften und Zeitungen kämpfen alle ums Überleben und halten immer noch an diesem Pseudo-Journalismus fest. Ich jedenfalls will beim Lesen schon unterhalten werden, will richtig geil gemacht werden auf das Spiel. Meinetwegen können Sie es auch in alle Einzelteile zerpflücken, wenn es gut geschrieben ist.

Ich raff's nicht!
[RDC] Tooby
El Consolero
El Consolero
 
Beiträge: 3295
Registriert: 04.10.2002 18:14
PSN ID: Atzinger
XBL ID: Tooby Toobsucht

Beitragvon Benutzer gelöscht » 12.02.2015 17:26

[RDC] Tooby hat geschrieben:Konsequent wäre es gewesen, wenn sie gänzlich auf Wertungen/Einstufungen verzichtet hätten.


Yupp!

[RDC] Tooby hat geschrieben:Ich meine: Das sind Journalisten.


Falsch! Die meisten eben nicht. Und viele Magazine haben auch oft Beiträge abgeliefert, wo man zugab, dass der RPG-Mensch krank wäre und der Racer-Mensch einspringt. Der mag zwar keine RPG's, aber Job ist Job. Und genau das ist das grundsätzlich Problem an der Branche. Es muss immer jemand geben, der die Arbeite macht. In anderen Firmen würde man nie auf die Idee kommen den Kollegen aus der Sattlerei zu holen um ihn an einen Karosserie-Entwurf oder einer Lackierung zu setzen. Bei Games ist scheinbar alles kein Ding.

[RDC] Tooby hat geschrieben:Ich raff's nicht!


Wir kriegen doch oft genug mit, wie die Macher ihre Berichterstatter eingrenzen. Sie bestimmen zu welcher Zeit und welche Inhalte veröffentlicht werden. Die bezahlen heute wie damals für Tests. Wie oben schon angemerkt, gibt die zahlenlose Wertung dem Schreiber mehr Freiheit auch Schmutz gut aussehen zu lassen. Eine Zahl nagelt den Tester fest. Soetwas kommt besonders bei Titel zum tragen,
die die PR-Abteilung schon im Vorfeld zerhyped hat und am Ende kommt Mist rüber. Stell die mal vor wie ein Driver 3 ein Gothic XY oder die endlosen Neuauflagen von Sportgames mit nur wenig wirklich neuem dabei wegkommen? Und was ist mit Online-Features, die in der Regel gar nicht vor Erscheinen richtig getestet werden können? Nur wenige Magz behalten sich Änderungen vor und ändern dann auch tatsächlich etwas.

Fraglich ist auch, ob man z.B. ein jährlich wiederkehrendes SportGame immer wieder von jemanden testen lassen soll, der die Vorgänger kennt. Kann dieser Mensch noch objektiv werten? Und ist der Mensch in der Lage jemanden, der noch nie mit dem Game Kontakt hatte, die positiven und negativen Aspekte glaubhaft zu vermitteln? Ich denke nicht. Und plötzlich sind wir wieder am Anfang: Machen Wertungen wirklich Sinn oder würden uns sogar trockene Inhaltsbeschreibung mit Hinweis auf technische Macken mehr bringen?
Benutzer gelöscht
 

Beitragvon RuDark Consoleros » 12.02.2015 17:26

Mach mit und sei dabei!

Consoleros.de ist deine Community zum Thema Konsolen und PC Games rund um Onlinegaming. Auch ohne Registrierung kannst du dir den Beitrag "Eurogamer: Weg mit den Wertungen" bereits komplett durchlesen. Mit einer kostenlosen Anmeldung hast Du folgende weitere Möglichkeiten und kannst aktiv an dieser Diskussion teilnehmen.

  • keine Werbung
  • Teilnahme an Diskussionen und Erstellen eigener Beiträge
  • Beobachten von Themen mit eMail-Benachrichtigung bei neuen Beiträgen
  • Freunde finden und über Private Nachrichten kommunizieren
  • schnelle Hilfe bei Problemen
Jetzt teilnehmen und kostenlos anmelden!

RuDark Consoleros

Zurück zu Konsolen-Talk

Wer ist online?

Mitglieder: 0 Mitglieder

cron