Da der Knabe nur wenig älter war als ich, habe ich so ziemlich jeden musikalischen
Erguss mitbekommen und fast immer genossen. Der Typ, der seine Haut bleichte,
seine Nase zig mal operierte, der seine Finger pflasterte, Zeit seines Lebens seinen
Tanzstil nur geringfügig verfeinerte, den Moonwalk der Welt beibrachte und den
Griff in den Schritt gesellschaftsfähig machte, begleitet mich mein ganzes Leben.
Egal was MJ sang, an Klamotten trug, wie er sich bewegte - alles hatte sofort
Kultstatus, selbst kleinste Gesten oder Phrasen aus seinen Liedern.
Schade nur, dass MJ in den letzten 20 Jahren mehr durch sein "skurrile" Lebensart
als durch seine Musik auf sich aufmerksam machte. Immer wieder gab es nervige
Klatschberichte über seine Schulden, Affären, seiner Affenliebe, seinen Rummel-
platz oder zuletzt wegen angeblicher Überriffe auf Minderjährige.
Der stets wortarme und überwiegend maskierte King of Pop war eigentlich für
die Öffentlichkeit schon seit vielen Jahre nur noch ein Geist. Jeder Schritt wurde
von den Medien überwacht, jede noch so unwichtige Aktion bis ins letzte
ausgeschlachtet. Pop-Musik gab es schon lange nicht mehr. Zwar verhalf er
hier und da Freunden zum Erfolg, hatte kleinere Gastauftritte und große Pläne,
aber so richtig was von ihm für seine Fans gab es nicht.
Für seine Fans war MJ bis heute der größte. Selbst wenn er weitere 20 Jahre
kein Album und keine Tournee mehr gebracht hätte - sie hätten weiter zu ihm
gehalten.
MJ war für mich nicht nur ein besonderer Künstler in einer längst vergangenen Pop-
Zeit gewesen. Er zeigte mir auch, wie der Fluch "Erfolg" einen Menschen kaputt
macht und wie die Medien dabei gierig zusehen.
Nun ist MJ tot. Aber so traurig das für seine Familie und den Fans ist - er hat nun
endlich seine längst verdiente Ruhe. Eine Ruhe die er sonst nie hätte haben können.







